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Vogelbeobachtung: Warum ein Milliardengeschäft bedroht ist

Wenn Sie ein Vogelbeobachter sind, dann ist einer der wichtigsten Tage in Ihrem Kalender der Weltzugvogeltag am 10. Mai. An diesem Wochenende versammeln sich Vogelbeobachter aus der ganzen Welt, um Vögel und ihre erstaunlich weiten Reisen zu feiern.

Wenn Sie kein Vogelbeobachter sind, können Sie spotten und sagen, daß solche Menschen eigentlich eine sinnvolle Beschäftigung brauchen. Aber sie haben eine, denn Vogelbeobachtung ist eine Freizeitbeschäftigung für Millionen Begeisterte, und so banal es für einige klingen mag, so ist es doch eine Leidenschaft für andere. Und sie wächst.

Weltweit Millionen Ornithologen

Denn die Gefahren für einige der „beobachteten“ Vögel nehmen zu. Ihre Zahlen gehen als Folge des Klimawandels, illegalem Vogelfang und Beifang in der Fischerei stark zurück.

Es gibt Millionen von Ornithologen auf der ganzen Welt und Tausende von Vereinen und Gesellschaften in Dutzenden von Ländern, die sie betreiben und fördern. Rund ein Fünftel aller Amerikaner bekennen sich zur Vogelbeobachtung. Wenn man Vogelbeobachtung als Freizeitsport betrachtet, so wie Vogelfreunde es tun, und sie mit den fünf führenden nationalen Sportarten in den USA vergleicht, sprechen die Zahlen für sich.

Laut einer Umfrage bei der Volkszählung in den USA von 2009 spielen 24 Millionen Amerikaner Basketball, 23 Millionen Baseball und 9 Millionen American Football. Dagegen gibt es schätzungsweise fast 60 Millionen Vogelbeobachter in den USA.

Drei Millionen Auslandsreisen wegen Vogelbeobachtung

Vogeltourismus ist eine der lukrativsten Einnahmequellen im Ökotourismus. Weltweit macht er die größte Einzelgruppe von Ökotouristen aus. Schätzungsweise werden drei Millionen Auslandsreisen zur Vogelbeobachtung unternommen. Einer Studie des US Fish and Wildlife Service zufolge, leisteten allein im Jahr 2006 Vogelbeobachter mit ihrem Hobby in den USA einen Beitrag von etwa 36 Milliarden Dollar zur US-Wirtschaft.

Deutsche Nationalparks wie der Müritz-Nationalpark verzeichnen rund 600.000 Besucher pro Jahr, die eine Vielzahl an Arten sehen wollen, darunter Kraniche und Seeadler. Der Tourismus erwirtschaftet über 13 Millionen Euro im Jahr für die Region und sorgt für schätzungsweise 628 Vollzeit-Arbeitsplätze.

Da Belastungen infolge von menschlichen Aktivitäten zunehmen, wird die Zukunft des naturnahen Tourismus aber vermehrt in Frage gestellt. Jedes Jahr sterben, durch den Klimawandel bedingt, Tausende seltener Seevögel durch extremes Winterwetter. Dazu gehören einige der seltensten Seevögel der Welt wie Papageientaucher, Trottellumme und Tordalk.

Zudem sind Seevögel bedroht durch Fanggeräte der Fischerei. Albatrosse und Sturmvögel, von denen alle 19 Arten von der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet eingestuft werden, verfangen sich und ertrinken regelmäßig in Schleppnetzen und Stellnetzen, wenn sie nach Fischen aus dem Fang tauchen. Laut der Organisation Birdlife International werden mehr als 300.000 Seevögel jedes Jahr durch Langleinenfischerei getötet, darunter 100.000 Albatrosse.

Weltklimarat sieht düstere Zukunft für Zugvögel

Der NABU schätzt, daß in Nordafrika 2013 mehr als 140 Millionen Vögel illegal in Netzen gefangen wurden. In Malta und Zypern werden dagegen zwischen zehn und dreizehn Millionen Vögel jährlich gefangen.

Auch der neue Bericht des Weltklimarats (IPCC) zeichnet ein düsteres Bild für Zugvögel. Im März 2014 veröffentlichte der IPCC den zweiten Teil seines fünften Sachstandsberichts zu Auswirkungen, Anpassungsstrategien und Schadensanfälligkeit durch den globalen Klimawandel. Die Folgen für die Zugvögel sind dabei besorgniserregend.

Der Klimawandel verschiebt nicht nur die Wandergebiete, sondern auch den Zeitpunkt der Wanderung nach vorn. Dies wirkt sich auf die Brutzahlen aus und führt zu einer höheren Sterblichkeit von Zugvögeln, die entweder nicht genug Energie speichern, um die langen Wanderungen zu unternehmen oder von schlechtem Wetter überrascht werden.

Am Ende steht deshalb nicht nur ein besonderer Zeitvertreib von Vogelbegeisterten und Naturfreunden auf dem Spiel. Außerdem drohen Millioneneinnahmen für Hotels, Transportunternehmen, Restaurants und Outdoorausrüster wegzufallen.

Liebe Vogelbegeisterte, lasst uns also am diesjährigen Weltzugvogeltag einen Moment innehalten und nachdenken, wie wir Zugvögel besser schützen können. Und das nicht nur wegen der Schönheit der Tiere, sondern auch wegen des hohen wirtschaftlichen Werts, den sie für Branchen wie den Tourismus haben.

 

Last updated on 09 May 2014

Type: 
Op Ed